Alfredo Häberli

washme_artists_alfredohaeberli

Die Seele einer Idee

Vor 40 Jahren begann meine Beziehung zu MINI in Form meines Lieblings-Matchbox-Autos, dem Racing MINI No. 29. Es war nicht nur die Farbe oder der mittig gelegene Auspuff, es waren die Proportionen, die mich magisch anzogen: fast so breit wie lang. Aber auch der dynamische Aufkleber mit der Nummer 29. Als Kind braucht man nur einen kleinen Augenblick, um etwas zu mögen oder nicht zu mögen. Diese kindliche Intuition, diese Beziehung zum Bauchgefühl geht später oft verloren. Vor allem, wenn die Ratio überhand nimmt.

Als MINI Switzerland mich anlässlich des 50. Jubiläums von MINI gefragt hatte, ob ich an diesem Projekt teilnehmen würde, erschienen mir sofort – wie von 0 auf 100 km/h in 6,5 Sekunden – ein Dutzend Bilder. Die ganze BMW Art Collection von Alexander Calder über Andy Warhol, von César Manrique zu David Hockney, alles bekannte Grössen und zum Teil Vorbilder und Inspirationsquellen für mich.

Doch was mache ich nun als Designer mit solch einer Anfrage? Eigentlich wäre ich – wenn ich ehrlich bin, was ich immer bin – lieber damit beauftragt worden, ein neues Concept Car für MINI zu gestalten. Aber bemalen? Und dazu noch mit abwaschbarer Farbe! Über die Gedanken abwaschbar, waschen, Waschanlage und Wasser kam ich auf die konzeptionelle Idee, die Scheibenwaschanlage, bzw. die Behälter, mit Farbe zu füllen und diese während der Fahrt zu betätigen. Der Wind würde die Gestaltung der Farbe auf der Karosserie bestimmen. Der Versuch wäre besonders spannend bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten und mit dem Einsatz von verschiedenen Farben. Um Blindfahrten auszuschliessen, wäre der Windkanal von Sauber in Hinwil der öffentlichen Strasse vorzuziehen.

Zurück zur Beziehung oder zum Ursprung einer Idee: Wenn ich meine Philosophie als Produktgestalter erklären muss, beziehe ich mich oft auf die Skizze von Sir Alec Issigonis, der die zwei wichtigsten Prinzipien von MINI auf eine Serviette gezeichnet hat. Die eine radikale Idee war, den Motor um 90 Grad gedreht einzubauen und dadurch die Länge des Fahrzeuges auf ein Minimum zu reduzieren. Die zweite – vielleicht philosophisch interessantere – Idee war, das Problem des Rostens zwischen den Karosserieteilen nach aussen zu kehren. Ein neuer Ansatz, die Abkantung der Schweissdrähte sichtbar zu machen. Wenn ich dieses Bild zeige, dann rede ich von der Judo- Philosophie: man nimmt die Kraft des Gegners, um sie ins Positive zu drehen oder anders gesagt, die Schwäche wird zur Stärke gemacht.

Abgesehen davon hat MINI als Produkt etwas, an dem ich täglich im Studio arbeite und das meiner Meinung nach auch in meinen Illustrationen zu finden ist: eine Seele. Der Entwurf des Autos vor 50 Jahren sowie auch die eben gezeigte Studie des MINI «Coupé Concept» (2009/IAA) haben dies. Wenn ich auf mein Bauchgefühl höre, dann tritt der Entwurf, das Produkt in Dialog mit mir. Es entsteht eine Beziehung. Es löst eine Frage aus. Es regt an. Alles andere kommt danach.

So sehe ich meinen Beitrag als die Geburt eines Entwurfes und die Seele einer Idee, die nicht verjährt. Nur die Zeit, in der die Farbe trocknet, wartet nicht.

Mehr zu Alfredo Häberli auf: www.alfredo-haeberli.com

Vor 40 Jahren begann meine Beziehung zu MINI in Form meines Lieblings-

Matchbox-Autos, dem Racing MINI No. 29. Es war nicht nur die Farbe oder der
mittig gelegene Auspuff, es waren die Proportionen, die mich magisch anzogen:
fast so breit wie lang. Aber auch der dynamische Aufkleber mit der Nummer 29.
Als Kind braucht man nur einen kleinen Augenblick, um etwas zu mögen oder
nicht zu mögen. Diese kindliche Intuition, diese Beziehung zum Bauchgefühl
geht später oft verloren. Vor allem, wenn die Ratio überhand nimmt.
Als MINI Switzerland mich anlässlich des 50. Jubiläums von MINI gefragt hatte,
ob ich an diesem Projekt teilnehmen würde, erschienen mir sofort – wie von 0 auf
100 km/h in 6,5 Sekunden – ein Dutzend Bilder. Die ganze BMW Art Collection von
Alexander Calder über Andy Warhol, von César Manrique zu David Hockney,
alles bekannte Grössen und zum Teil Vorbilder und Inspirationsquellen für mich.
Doch was mache ich nun als Designer mit solch einer Anfrage? Eigentlich
wäre ich – wenn ich ehrlich bin, was ich immer bin – lieber damit beauftragt
worden, ein neues Concept Car für MINI zu gestalten. Aber bemalen? Und dazu
noch mit abwaschbarer Farbe! Über die Gedanken abwaschbar, waschen,
Waschanlage und Wasser kam ich auf die konzeptionelle Idee, die Scheibenwaschanlage,
bzw. die Behälter, mit Farbe zu füllen und diese während der
Fahrt zu betätigen. Der Wind würde die Gestaltung der Farbe auf der Karosserie
bestimmen. Der Versuch wäre besonders spannend bei unterschiedlichen
Geschwindigkeiten und mit dem Einsatz von verschiedenen Farben. Um Blindfahrten
auszuschliessen, wäre der Windkanal von Sauber in Hinwil der öffentlichen
Strasse vorzuziehen.
Zurück zur Beziehung oder zum Ursprung einer Idee: Wenn ich meine Philosophie
als Produktgestalter erklären muss, beziehe ich mich oft auf die Skizze
von Sir Alec Issigonis, der die zwei wichtigsten Prinzipien von MINI auf eine
Serviette gezeichnet hat. Die eine radikale Idee war, den Motor um 90 Grad
gedreht einzubauen und dadurch die Länge des Fahrzeuges auf ein Minimum
zu reduzieren. Die zweite – vielleicht philosophisch interessantere – Idee war,
das Problem des Rostens zwischen den Karosserieteilen nach aussen
zu kehren. Ein neuer Ansatz, die Abkantung der Schweissdrähte sichtbar
zu machen. Wenn ich dieses Bild zeige, dann rede ich von der Judo-
Philosophie: man nimmt die Kraft des Gegners, um sie ins Positive zu drehen
oder anders gesagt, die Schwäche wird zur Stärke gemacht.
Abgesehen davon hat MINI als Produkt etwas, an dem ich täglich im Studio
arbeite und das meiner Meinung nach auch in meinen Illustrationen zu finden
ist: eine Seele. Der Entwurf des Autos vor 50 Jahren sowie auch die eben gezeigte
Studie des MINI «Coupé Concept» (2009/IAA) haben dies. Wenn ich auf
mein Bauchgefühl höre, dann tritt der Entwurf, das Produkt in Dialog mit mir.
Es entsteht eine Beziehung. Es löst eine Frage aus. Es regt an. Alles andere
kommt danach.
So sehe ich meinen Beitrag als die Geburt eines Entwurfes und die Seele einer
Idee, die nicht verjährt. Nur die Zeit, in der die Farbe trocknet, wartet nic
Share:
  • Print this article!
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Turn this article into a PDF!
  • Technorati
  • Twitter

Comments are closed.