Michèle Roten
Dieser Dreck, diese Spritzer an der Seite des Autos, fast bis hoch zu den Fenstern, das konnte kein normaler Stadtstrassendreck sein, so viel war ihm klar. Stadtstrassendreck ist grau, nicht braun. Brauner Dreck ist Landstrassendreck, ist definitiv nicht die Strecke von der Wohnung zu ihrem Büro, so was von nicht. Er hätte sie fragen können, wo die Spritzer herkommen, und warum sie betrunken gewesen war, als sie spät nachts heimkam, denn er hatte gehört, wie sie den Motor abgewürgt hatte beim Parkieren, und das, mit Verlaub, das passiert einem nur, wenn man betrunken ist, und betrunken ist man normalerweise nicht nach der Arbeit, und sie hatte doch gesagt, sie müsse etwas länger arbeiten, er hätte all das fragen können, aber als sie ins Bett kam, hatte er sich schlafend gestellt und jetzt, um sieben Uhr morgens schlief sie noch und er zog es vor, das Auto zu waschen.
Die Spritzer waren ziemlich hartnäckig, er rubbelte mit einem Schwamm an ihnen herum, vorsichtig, um den Lack nicht zu zerkratzen, er wusste ja, wie heikel sie war im Bezug auf ihr Auto. Eigentlich war sie ja heikel im Bezug auf alles. Eine heikle Frau. Irgendwie war es passiert, dass er plötzlich eine heikle Frau zur Freundin hatte. Wer hätte das gedacht. Er hielt sich eigentlich mehr für den Typ sportliche Frau.
Das war lehmiger Dreck, nur lehmiger Dreck klebt so. Wo findet man Lehm? Im Wald. In einem Tobel. Was machte die bloss nachts in einem Tobel? Nachts in einem Tobel gibt es nur zwei Arten von Menschen: Mörder und heimlich Liebende. Und vielleicht Amphibienforscher oder so, na gut, drei Arten. Und Pfadfinder, vier.
Er stellte sich vor, wie sie lachte und ihre Augen wurden viereckig, wie sie das immer werden, wenn sie wirklich lacht, und sie lachte bestimmt über irgendeinen beschissenen Witz von diesem beschissenen Typ, während sie vorher oder nachher im Auto sassen.
Wie hatten die das eigentlich angestellt? Das Auto ist wirklich klein. Schon in einem normal grossen Auto ist es nicht ganz einfach. Er setzte sich auf den Beifahrersitz und stellte sich vor. Vielleicht wenn die Lehne runtergelassen und das Bein dort… oder mit dem Dachfenster offen. Er versuchte, sich quer zu setzen. Das linke Bein hinter den Führersitz, das rechte beim Schaltknüppel… aber keine Chance mit seinen fast zwei Metern. Keine Chance. Der Kerl musste ziemlich klein gewesen sein. Ha! Ein Zwerg. Was ist das, irgendein scheiss Fetisch oder was? Warum hatte sie ihm das nie erzählt? Dass sie auf Sex mit verdammten Zwergen steht und deswegen einen Account bei hornydwarflover.com oder was auch immer hat?
Blöde Schlampe. Hätte ja auch in ein Hotel gehen können, dann müsste er jetzt nicht frühmorgens das Auto waschen, um alles wieder gut zu machen.

Dreck

Dieser Dreck, diese Spritzer an der Seite des Autos, fast bis hoch zu den Fenstern, das konnte kein normaler Stadtstrassendreck sein, so viel war ihm klar. Stadtstrassendreck ist grau, nicht braun. Brauner Dreck ist Landstrassendreck, ist definitiv nicht die Strecke von der Wohnung zu ihrem Büro, so was von nicht. Er hätte sie fragen können, wo die Spritzer herkommen, und warum sie betrunken gewesen war, als sie spät nachts heimkam, denn er hatte gehört, wie sie den Motor abgewürgt hatte beim Parkieren, und das, mit Verlaub, das passiert einem nur, wenn man betrunken ist, und betrunken ist man normalerweise nicht nach der Arbeit, und sie hatte doch gesagt, sie müsse etwas länger arbeiten, er hätte all das fragen können, aber als sie ins Bett kam, hatte er sich schlafend gestellt und jetzt, um sieben Uhr morgens schlief sie noch und er zog es vor, das Auto zu waschen.

Die Spritzer waren ziemlich hartnäckig, er rubbelte mit einem Schwamm an ihnen herum, vorsichtig, um den Lack nicht zu zerkratzen, er wusste ja, wie heikel sie war im Bezug auf ihr Auto. Eigentlich war sie ja heikel im Bezug auf alles. Eine heikle Frau. Irgendwie war es passiert, dass er plötzlich eine heikle Frau zur Freundin hatte. Wer hätte das gedacht. Er hielt sich eigentlich mehr für den Typ sportliche Frau.

Das war lehmiger Dreck, nur lehmiger Dreck klebt so. Wo findet man Lehm? Im Wald. In einem Tobel. Was machte die bloss nachts in einem Tobel? Nachts in einem Tobel gibt es nur zwei Arten von Menschen: Mörder und heimlich Liebende. Und vielleicht Amphibienforscher oder so, na gut, drei Arten. Und Pfadfinder, vier.

Er stellte sich vor, wie sie lachte und ihre Augen wurden viereckig, wie sie das immer werden, wenn sie wirklich lacht, und sie lachte bestimmt über irgendeinen beschissenen Witz von diesem beschissenen Typ, während sie vorher oder nachher im Auto sassen.

Wie hatten die das eigentlich angestellt? Das Auto ist wirklich klein. Schon in einem normal grossen Auto ist es nicht ganz einfach. Er setzte sich auf den Beifahrersitz und stellte sich vor. Vielleicht wenn die Lehne runtergelassen und das Bein dort… oder mit dem Dachfenster offen. Er versuchte, sich quer zu setzen. Das linke Bein hinter den Führersitz, das rechte beim Schaltknüppel… aber keine Chance mit seinen fast zwei Metern. Keine Chance. Der Kerl musste ziemlich klein gewesen sein. Ha! Ein Zwerg. Was ist das, irgendein scheiss Fetisch oder was? Warum hatte sie ihm das nie erzählt? Dass sie auf Sex mit verdammten Zwergen steht und deswegen einen Account bei hornydwarflover.com oder was auch immer hat?

Blöde Schlampe. Hätte ja auch in ein Hotel gehen können, dann müsste er jetzt nicht frühmorgens das Auto waschen, um alles wieder gut zu machen.

Mehr zu Michèle Roten auf: www.micheleroten.ch

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One Response Subscribe to comments


  1. Gertrude

    It’s a car. Not the unwashed dildo that you keep under your pillow….you dildo.

    Dec 01, 2009 @ 2:57 pm